
75 Jahre Spielwarenmesse – Jubiläum mit Strahlkraft
Ein Gespräch mit Oberbürgermeister Marcus König und Christian Ulrich, Sprecher des Vorstands der Spielwarenmesse eG. Teil 2/2
Die Spielwarenmesse ist ein Ort der Innovation. Welche neuen Formate und digitalen Lösungen haben Sie zuletzt etabliert?
Christian Ulrich: Wir haben unsere digitalen Services in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut – darunter die Spielwarenmesse-App und die Plattform Spielwarenmesse Digital. Fachbesucherinnen und -besucher finden dort nicht nur eine umfassende Aussteller- und Produktdatenbank, sondern auch interaktive Hallenpläne und Tools zur Terminvereinbarung. Gleichzeitig entwickeln wir das Messeerlebnis vor Ort stetig weiter, etwa durch neue Sonderflächen mit Erlebnischarakter. Ein Beispiel aus dem Bereich „Sport, Freizeit, Outdoor“ ist ein Live-Format mit einer Stunt-Scooter-Show. Außerdem haben wir mit der Game Inventors Convention eine „Messe in der Messe“ speziell für Spieleerfinderinnen und -erfinder etabliert. Mit Angeboten wie unserem Spielwarenmesse Podcast bleiben wir zudem auch unterjährig eine zentrale Plattform und verlässliche Informationsquelle für die Branche.
Inwiefern unterstützt die Stadt Nürnberg innovative Messeformate, Start-ups und moderne Infrastruktur?
Marcus König: Die NürnbergMesse als städtische Tochter sorgt in erster Linie dafür, dass die Rahmenbedingungen stimmen, denn die Anforderungen an Infrastrukturen verändern sich laufend. Die NürnbergMesse ist hier hervorragend aufgestellt. Sie verfügt über die neueste Veranstaltungstechnik und modulare Raumkonzepte, was ihr erlaubt, flexibel auf alle Entwicklungen in der Messebranche zu reagieren. Die entsprechende digitale Infrastruktur und nachhaltige Energieversorgung ermöglichen es, auch hybride und datenintensive Formate anzubieten. Zum Erfolg einer Messe gehört aber mehr als ‚nur‘ ein modernes Messezentrum. Ein leistungsfähiger Nahverkehr, ein Unternehmensspektrum von Hidden Champions bis zu Global Playern, starke Eventlocations und vieles mehr. Wir sind ein Standort für Startups, beispielsweise mit dem ZOLLHOF Tech Incubator. Wir tun viel dafür, dass hier Innovationen entstehen können.
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Welche Rolle spielen Trendscouting und Marktanalysen für die Weiterentwicklung der Messe?
Christian Ulrich: Trends frühzeitig zu erkennen, ist für unsere Entwicklung entscheidend. Echte Spielwarentrends sind für uns mehr als nur kurzfristige Hypes – sie spiegeln gesellschaftliche Veränderungen wider und bringen frische Impulse in die Kinderzimmer. Unser internationales TrendCommittee setzt sich aus erfahrenen Expertinnen und Experten zusammen, die das ganze Jahr über weltweite Entwicklungen beobachten und die spannendsten Strömungen für die Branche aufspüren. Aus diesen Analysen entstehen Sonderflächen wie die ToyTrends oder Toys for Kidults, die auf der Messe vorgestellt werden und dem Handel wertvolle Inspiration sowie Orientierung bieten. „Kidults“ – ein Begriff, der sich aus „Kids“ und „Adults“ zusammensetzt – steht dabei für spielende Erwachsene. Dieser Trend gewinnt weltweit immer mehr an Bedeutung und zeigt eindrucksvoll, dass Spiel und Kreativität längst nicht mehr nur Kindern vorbehalten sind. Indem wir solche Entwicklungen frühzeitig erkennen und aufgreifen, bleibt die Spielwarenmesse die zentrale Plattform für neue Ideen und kreative Konzepte.
Die Spielwarenmesse zieht Gäste aus aller Welt an – wie gelingt es Ihnen gemeinsam, Nürnberg als weltoffene Gastgeberstadt zu positionieren?
Marcus König: Wir sind einfach gute Gastgeber – aus Tradition und Überzeugung. Als Vorsitzender unserer Congress- und Tourismuszentrale erlebe ich regelmäßig, wie etwa Hotellerie und Gastronomie an unsere internationalen Gäste denken und eine echte Willkommenskultur leben. Der Dreiklang aus gezieltem Stadtmarketing, professioneller Messeorganisation und gelebter Gastfreundschaft ist hier entscheidend. Die Messe bietet selbstverständlich einen mehrsprachigen Rundum-Service. Nicht zu vergessen: Nürnbergs reichhaltiges kulturelles Angebot bietet eine hervorragende Ausgangsposition für attraktive Begleitprogramme. So ist Nürnberg als Location selbst schon attraktiv und lässt sich perfekt mit geschäftlichen Angelegenheiten verbinden.
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Welche strategische Bedeutung haben internationale Standorte wie Indien oder New York für die Spielwarenmesse eG?
Christian Ulrich: Internationale Events sind ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Sie stärken unsere weltweite Präsenz, fördern den Austausch zwischen den Märkten und ermöglichen uns wertvolle Einblicke in regionale Besonderheiten. Mit unserem World of Toys Programm unterstützen wir Unternehmen gezielt beim Eintritt in neue Märkte – derzeit in Hongkong, Japan und den USA – und sorgen für ihren professionellen Auftritt auf internationalen Branchenplattformen. Mit unserer eigenen Messe Kids India in Mumbai eröffnen wir Zugang zum dynamischen indischen Wachstumsmarkt, während wir über unser Büro in Shanghai enge Beziehungen zu chinesischen Herstellern und Handelsunternehmen pflegen und ausbauen.
Was war Ihr ganz persönliches Messehighlight der letzten Jahre?
Christian Ulrich: Ein persönliches Highlight war für mich die erste Spielwarenmesse nach der pandemiebedingten zweijährigen Pause. Die Rückkehr der Branche nach Nürnberg – mit all der Freude und dem Wiedersehen vor Ort – hat einmal mehr gezeigt, welche Bedeutung persönliche Begegnungen haben und wie viel Energie, Inspiration und Motivation in Networking-Veranstaltungen steckt.
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Welche Bedeutung hat das Thema Spielen in Ihrer persönlichen Lebenswelt?
Marcus König: Als Familienmensch und Vater bin ich da ziemlich nah dran – zugegebenermaßen aber eher traditionell unterwegs. Wir spielen daheim eher Brett- und Würfelspiele.
Was wünschen Sie sich für die nächsten 75 Jahre Spielwarenmesse – und für Nürnberg als Gastgeberstadt?
Christian Ulrich: Ich wünsche mir, dass die Spielwarenmesse weiterhin ein Ort bleibt, an dem sich Menschen mit Leidenschaft für Spiel, Kreativität und Innovation begegnen. Und dass die Stadt Nürnberg auch in Zukunft ihre besondere Rolle als Gastgeberin einnimmt – offen, herzlich und mit Sinn für fortschrittliche Veränderung.
Marcus König: Ich bin sehr sicher, dass wir diesen Wunsch erfüllen können. In Nürnberg gehört beides zusammen: Tradition und Fortschritt. Der Spielwarenmesse wünsche ich, dass sie Innovation und das Erbe der Spielzeugstadt weiterhin erfolgreich verknüpft.



