Kidults: Wenn Erwachsene wieder spielen

Immer mehr Erwachsene entdecken das Spielen für sich neu. Sie kaufen Sammelfiguren, bauen Lego-Modelle oder treffen sich zu Spieleabenden – und das ganz ohne Kinder. Was früher als Kindersache galt, ist heute ein echter Trend und sorgt für volle Regale in den Spielwarengeschäften.

Doch wer sind eigentlich Kidults?

„Eigentlich erschließt sich der Begriff ja sofort“, erklärt Stefan Will, Chef eines Nürnberger Spieleladens. „Kidults ist ein zusammengesetztes Wort aus ‚Kid‘ und ‚Adult‘. Erwachsene, die Spielzeug kaufen.“ Viele wollen sich damit an ihre Kindheit erinnern oder sich einfach mal eine Auszeit vom Alltag gönnen. „Wir sind an einem Punkt, wo die Kinder der 80er Jahre erwachsen sind und sich ihre Kindheitsleidenschaften endlich leisten können“, sagt Will.

Anzeige

Dickamnn_600x500

Spielzeug für große Geldbeutel

Was Kidults von Kindern unterscheidet, ist nicht nur die Nostalgie, sondern auch das größere Budget. „Natürlich haben sie auch ein finanzielles Potenzial, das weit über das von Kindern hinausgeht“, betont Will. Erwachsene gönnen sich heute hochwertige Sammlerstücke, aufwendige Bausätze oder limitierte Editionen – oft für mehrere Hundert Euro. Der neue Todesstern von Lego kostet zum Beispiel rund 1.000 Euro. „Das ist kein Kinderspielzeug mehr, das ist ein Sammlerobjekt“, sagt Will.

Auch andere Marken wie Masters of the Universe, Hot Wheels oder Carrera setzen auf erwachsene Fans und bieten Klassiker neu und exklusiv an. Brettspiele sind längst kein reines Kinderthema mehr. „Schlüsselspiele wie ‚Siedler von Catan‘ haben das Thema geöffnet“, meint der Experte. „Die Brettspiellandschaft ist heute nicht mehr wegzudenken aus den Familien, den Kinderzimmern und den Wohnzimmern.“

Die Rolle des Handels

Der Trend ist auch im Handel angekommen – zumindest bei spezialisierten Läden. „Bei spezialisierten Händlern liegt heute der Umsatz-Anteil des Themas ‘Kidults‘ mit Sicherheit über 50 Prozent“, sagt Stefan Will. Besonders gefragt sind Lego, Brettspiele („Tabletop-Gaming“), Sammelobjekte wie Star Wars oder Trading Cards und Rollenspiele.

Ein wichtiger Aspekt für viele Kidults ist das Gemeinschaftserlebnis: „Der Kidult möchte normalerweise in eine Community“, so Will. „Er oder sie möchte sich mit Gleichgesinnten austauschen – online und offline.“ Deshalb gibt es mittlerweile eigene Treffen und Messen, zum Beispiel Lego-Conventions oder die große Star Wars-Convention „Noris Force Con“ in Fürth.

Anzeige

hilpert_600x500

Kidults auf der Spielwarenmesse

Auch die Spielwarenmesse in Nürnberg widmet diesem Trend eine eigene Sonderfläche: „Toys for Kidults“. Hier können Besucher neue Produkte ausprobieren und sich inspirieren lassen. Für Händler ist die Messe besonders wichtig, um Neuheiten zu entdecken, Kontakte zu pflegen und neue Ideen zu sammeln. „Die Spielwarenmesse macht mit ihrer Sonderfläche auf dieses Thema aufmerksam, weil der klassische Spielwarenhandel das noch nicht so entdeckt hat“, sagt Will.

Anzeige

WOERNLEIN_2025007_AZ_VNP_Digital_600x500_LAY1

Ein nachhaltiger Markt

„Das Kidults-Phänomen ist nachhaltig“, betont Stefan Will. „Die Generation, die mit Lego, Playmobil, Star Wars aufgewachsen ist, wird das Thema nicht mehr aufgeben. Die nächste Generation wird zu ihren Themen zurückkehren – sei es Pokémon oder andere Franchises.“ Der Markt wächst stetig und ist durch die hohe Kaufkraft der Erwachsenen besonders attraktiv. Ob online oder im Laden vor Ort – gekauft wird überall.